Chronik des Verein´s - Kleingartenbauverein e.V. Bad Homurg v.d.H

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Kleingartenbauverein e.V.
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Chronik des Verein´s

Im Jahre 1919, in ener Zeitder politischen Zerrüttung und Hungersnot, trafen sich  5 Männer
und zwar die Herren:

                             Max Jagusch, Jakob Hohm, Paul Böll,  Willy Ernst und  Jakob Gehm

damals in der Wirtschaft/ Gasthaus im Schlachthof, um die Modadalitäten zur Gründung eines Kleingartenbauvereins festzulegen. Am 22.Juli 1919 war es soweit, der Verein wurde gegründet.

Als Vorstandmitglieder wurden ernannt:

1. Vorsitzender                      Jakob Hohm
2. Vorsitzender                      Paul Böll
1. Schriftführer                      Eduart Häusler
2. Schriftführer                      Max Jagusch
1 Kassierer                             Wilhelm Hüfner
1. Beisitzer                             Konrad Röder
2. Beisitzer                             Heinrich Fey

Man konnte nach und nach 7 (sieben ) Grundstücke urbar machen, die tels städtisch, teils aber auch privat waren.
Im Juli 1920, also ein Jahr später, hatte der Verein bereits 92 Mitglieder, im August dessel Jahres waren es schon 160, 1923 hatte der Verein bereits 328 Mitglieder in 10 Anlagen.

Feldbergstraße        8    Parzellen
Götzenmühlweg    78   Parzellen
Weinbergweg         52   Parzellen
Ziegelei                   30   Parzellen
Geflügelzucht        13   Parzellen
Hasensprung         27   Parzellen
Leopoldsweg         27   Parzellen
Krankenhaus          5    Parzellen
Taunusgärten        27   Parzellen
Lange Meile           63   Parzellen

Hiervon existieren heute noch die Anlagen Götzenmühlweg und Leopoldsweg.

Damals bestand manches Gelände aus Wiesen, die teilweise sogar sumpfig waren. Eine notwendige Entwässerung konnte man seinerzeit wegen Geld- und Materialmangels nicht durchführen. Sie wurde dann später in Selbsthilfe geschaffen. Jeder musste zupacken, um das angestrebte Ziel einer Kleingartenanlage zu erreichen. Die Hauptsache war damals, dass das Gelände vorhanden war, um einen Garten anzulegen. Man wollte jetzt Kartoffeln, Gemüse, Salate, Bohnen, Möhren, Zwiebeln und Petersilie anbauen. Dies war bitter notwendig, um den Küchenzettel aufzubessern.

Im August 1920 zur Jahresversammlung sprach Rektor Förster über Wirtschaftsfragen. Herr Förster war der Mann, der in diesen Jahren versucht hat, in ganz Deutschland Kleingartenbauvereine zu gründen und zu lenken. Er stand den Vereinen mit Rat und Tat zur Seite. In dieser Jahresversammlung ging es fast nur um das Thema Kartoffelversorgung.

Man sollte auch nicht die damaligen Stadtverordneten Ettling und Schmidt vergessen, die sich in unserem Stadtparlament und bei den Behörden für unseren Kleingartenbauverein einsetzten. In den Inflations- und Wirtschaftskatastrophenjahren 1923 und 1924 konnten manche Kleingärtner kaum das Geld für die Pacht und den Samen aufbringen, denn 100 Mark waren damals eine Goldmark.
Wie es im königlichen Preußen üblich war, gab es auch gleich eine ganze Palette von Vorschriften.
Geregelt wurde, dass nur ein Spaten und eine Hacke für die Arbeit benutzt werden durfte, wann die Aussaat zu erfolgen hatte, wie groß die Abstände zwischen den Pflanzenreihen zu sein hatten, die Düngemengen, wie tief umgegraben werden musste usw. Als die Stabilisierung der Rentenmark 1923 die Preise senkte, verschwanden viele Kartoffeläcker und es wurden daraus allmählich richtige Kleingärten. Den Wandel der Zeiten hat unser Verein voll mitgemacht. Zunächst waren es reine Nutzgärten, jeder Flecken Erde wurde bearbeitet. Es gab seinerzeit keine Rasenflächen, keine

Spielplätze für Kinder und am Anfang keine Gemeinschaftsanlagen. Als Geräteraum diente oftmals nur eine Kiste.

In den Jahren 1930 bis 1948 mussten viele Gartenfreunde sehr oft ihre Gärten wechseln, denn seinerzeit waren die Anlagen noch nicht als Dauerkleingärten ausgewiesen und die Eigentümer benötigten das Land als Bauland. Erst nach und nach hat der Verein nach langen schwierigen Verhandlungen mit den Behörden für einige Anlagen erreicht, dass sie als Dauerkleingärten in einem Bebauungsplan ausgewiesen wurden.

Im dritten Reich kamen auf das Kleingartenwesen wieder neue Funktionen zu. Die damaligen Machthaber meinten hier ihre Ideologie bestätigt zu sehen und zogen eine direkte Linie von der nordischen, bäuerlichen Rasse zu den Kleingärtnern. Das bäuerliche, antistädtische Bewusstsein sollte auch mit der Stärkung des Kleingartenwesens erreicht werden. 1938 äußerte sich ein Nazi wie folgt dazu: "Gerade in diesen letzten Jahren erlebt man mit Freude, wie der Gartengedanke überall Wurzel schlug. Die Richtigkeit des Wortes Blut und Boden hat nirgends so überzeugend seine Bestätigung gefunden wie in der gewaltig gesteigerten Liebe des Städters zum Garten." Und weiter im nationalsozialistischen Jargon: "Denkt man hierbei nicht nur an den Gartenbesitzer, sondern auch an die allgemeine Ernährungswirtschaft, so erkennt man leicht die Möglichkeit und mehr noch die Pflicht jedes einzelnen, durch Produktionssteigerung der gärtnerischen Erzeugnisse den Markt zu entlasten."

Am 7 .1. 1934 wurde der Verein umbenannt in Kleingärtner Verein e.V. und die Satzung musste vollständig neu gefasst werden. In der Generalversammlung wurde der Vorstand entsprechend dem Führerprinzip neu gewählt. Geschäftsführender Vorstand im Sinne des § 26 BGB war der Vereinsführer.
Trotz aller verbalen Unterstützung des Kleingartenwesens im Faschismus wurde der Verein aber tatsächlich wenig gefördert. Während des 2. Weltkrieges mussten sogar einige Kleingärtner ihr Parzellen an kinderreiche Familien abgeben. Damals, in dieser schweren Zeit, wurden Hühner, Kaninchen, Gänse, Enten, ja sogar Schafe und Schweine gehalten. Es wurde der etwas streng riechende Tabak der Marke Kleingärtnerstolz angebaut. Der Beitrag des Kleingartenwesens für die Nahrungsversorgung hielt auch während der Wiederaufbauphase an.

Am 21. 2. 1948 wurde die Satzung neu gefasst. Der Name des Vereins wurde wieder in Kleingartenbauverein e.V. Bad Homburg v.d.H. geändert.
Von 1951 war Karl Zimmer 1. Vorsitzender unseres Vereins. Ihm haben wir sehr viel zu verdanken. Er hat neues Gelände besorgt. Auch die Installationen der Wasserleitungen hat er vorangetrieben. Diese Wasserleitungen bestanden zum Teil aus Rohren, die man aus den Trümmern ausgebombter Häuser besorgt hatte. Unter Karl Zimmer entstanden auch die ersten Vereinsheime aus Teilen alter Baracken. Dies waren die Heime auf den Anlagen Kasernenäcker und Mariannenweg.

Im Mai 1969 wurde der Kleingartenbauverein e.V Bad Homburg v.d.H. Landessieger im Kleingartenbauwettbewerb. Die Prüfungskommission der Hessischen Landesregierung hat
nachdem sie an Ort und Stelle eine Besichtigung vorgenommen hatte - unserem Verein den 1.Preis des Landeswettbewerbes für die bestangelegten und ins Stadtgrün einbezogenen
Kleingärten zuerkannt. Die Kommission hatte zahlreiche Städte und Gemeinden bereist, um in gewissenhafter Prüfung den Landessieger zu ermitteln.

Sie hat die Anlagen Königsteiner Straße und Mariannenweg als die schönsten ins Stadtgrün einbezogenen Anlagen im ganzen Hessenland bewertet. In finanzieller Hinsicht hat sich
das auch gelohnt, denn wir erhielten einen Geldpreis in Höhe von DM 6 000.
Zwei Jahre vorher erhielten wir in einem Wettbewerb für die bestangelegten Kleingärten in Hessen einen Preis von DM 1000.

Ab den 60er Jahren war mit zunehmendem Wohlstand die Nahrungsmittelproduktion in den Kleingärten wieder rückläufig. Stattdessen gewann die Erholung auf den Parzellen an
Bedeutung, der Liegestuhl oder die Hollywoodschaukel wurden immer weiter verbreitete Möbel im Kleingarten. Auch die Gartenarbeit selbst, früher notwendig zur
Nahrungsmittelproduktion, nahm eher den Charakter eines Hobbys an, das oft Ausgleich zur Tätigkeit am Arbeitsplatz war. Zielpunkt gärtnerischen Fleißes ist jetzt weniger der
reiche Ertrag üppiger Gemüsepflanzen, sondern das lockende Bild farbenprächtiger Rabatten.

Die schnellen gesellschaftlichen Veränderungen der Neuzeit machten auch vor dem Gartentürchen nicht halt. Die Kleingärtner haben am Wohlstand unserer Gesellschaft teil
und sind ein Wirtschaftsfaktor geworden, von dem die einschlägige Industrie lebt. Hacken und Spaten wurden durch maschinell angetriebene Geräte ersetzt. Der finanzielle Aufwand
stieg beträchtlich. Man folgte dem Trend der Erwerbsgärtner, die sich an die Chemie hielten. Mit dieser Entwicklung verloren viele Freizeitgärtner die Kenntnis über das
Zusammenwirken der einzelnen Lebensbereiche der Natur. Gott sei Dank ist jetzt eine Umkehr eingetreten. Wir haben ein neues Naturbewußtsein, und immer mehr Kleingärtner
begreifen nun, dass der Mensch nicht ohne Schaden aus dem Naturkreislauf ausbrechen kann, dass er ein Glied im ökologischen Ablauf ist.

Am 7. 4. 1951 wurde die Satzung geändert. Bereits am 26 .3. 1966 wurden die §§ 1 - 24 wieder neu gefasst.

Am 15. 2. 1985 wurde die Satzung überarbeitet, um vom Finanzamt als gemeinnützig im Sinne der Abgabenordnung anerkannt zu
werden. Aber das Finanzamt hatte Einwände und wir mussten die Satzung nochmals ändern, und zwar musste der § 2 durch einen neuen Zusatz, den Punkt 5., ergänzt werden. Dieser lautete "5. Die Schaffung von Grünflächen, die der Allgemeinheit zugänglich sind".

Als das Bad Homburger Laternenfest nach dem Kriege wieder auflebte, beteiligte sich auch unser Verein in jedem Jahr mit dem Bau eines Festwagens an der Gestaltung
unseres Heimatfestes. Mit Erfolg, denn unsere Festwagen wurden oft mit Preisen ausgezeichnet.

Heute haben wir wieder 9 Anlagen mit einer Gesamtfläche von ca.200 000 qm.

1 Kasernenäcker 104 Gärten
2 Götzenmühlweg 73 Gärten
3 Schmidtwiese 61 Gärten
4 Königsteiner Straße 52 Gärten
5 Mariannenweg 85 Gärten
6 Leopoldsweg 22 Gärten
7 Taunusblick 38 Gärten
8 Zeppelinstein 97 Gärten ( Ersetzt durch die neue Anlage " An den Kreuzhecken " )
9 Am Heuchelbach 29 Gärten


Der Verein hat ca. 558 aktive - und 268 passive, d.h. fördernde Mitglieder.
Wir sind mit Recht stolz auf unsere 75jährige Geschichte. Dies sollte uns Anlass sein, das Althergebrachte der neuen Zeit entsprechend anzupassen und unsere Gedanken in die Zukunft zu richten. Es gilt, unsere soziale Aufgabe und soziale Stellung in unserer Gesellschaft zu erhalten. Wenn uns dies gelingt, kann es uns um unsere Kleingärten nicht bange sein.

Text Detlef Keebe

 
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